Ich bin am Niederrhein geboren, in einer Landschaft, die oft im Nebel liegt, wo der Horizont sich auflöst und das Licht sich nie ganz festlegt. Vielleicht hat dort mein Sinn für Farbe begonnen, in den stillen Übergängen, in den Grautönen, die nie einfach grau sind, in der Art, wie Feuchtigkeit und Ferne ineinander übergehen und alles in Schwingung versetzen.
Wo andere Wolken sehen, sehe ich Schichten, Töne, Atmosphären. In dieser Welt war Farbe nie fest. Sie war Bewegung. Übergang. Eine Art Atem. Vielleicht habe ich dort gelernt, dass Wahrnehmung kein Wissen ist, sondern eine Haltung. Man muss warten können, bis sich ein Distelfink oder ein Eisvogel zeigt und dann erkennen, dass auch das Flüchtige eine Form von Klarheit hat.
Das ist wohl meine eigentliche Schule, die des Nebels und der Vögel, in der man Geduld lernt und darauf, Klarheit zwischen Himmel und Erde zu erwarten.
Ich habe eine Ausbildung als Tischler gemacht. Die Arbeit mit Holz, mit Oberflächen und Strukturen, hat mich gelehrt, mit den Händen zu denken. Holz, Metall, Aluminium. Materialien reagieren auf Berührung, sie verändern sich im Licht. Die Werkstatt hat mir beigebracht, dass man nicht alles planen kann, sondern manches entstehen lassen muss. Dass jede Oberfläche ihre eigene Art hat, Licht aufzunehmen oder zurückzugeben. Dass Materie Erinnerung trägt.
Später begann ich, Ausstellungen zu kuratieren, zunächst aus Neugier, dann aus Überzeugung.
Ich wollte Räume denken, nicht einfach füllen.
Ich wollte Situationen schaffen, in denen Farbe frei existieren kann, nicht als Beiwerk, sondern als handelnde Präsenz.
In Kranenburg, nahe der niederländischen Grenze, eine Galerie. Eine Grenze, die für mich immer mehr Gedanke als Linie war. Dort begann ich, Farbe als Sprache zu verstehen, als Möglichkeit des Dialogs.
Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Kirsten Lampert, Teresa Reyes Lorca, Viviane Klagsbrun, Jerry Zeniuk, Norbert Prangenberg, Paul Schwer, Adrian Schiess, Martin Noël, Horst Keining, Stefan Gritsch, Stefan Fritsch, Richard Schur, Ulrich Erben, Matthias Köster, Ronald Noorman u.A.
Ich habe diese Ausstellungen nie als Ansammlungen von Namen verstanden, sondern als Gespräche, zwischen Bildern und Wänden, zwischen Oberflächen und Licht, zwischen Werk und Blick.
Mehrere Jahre lang war ich ehrenamtlich Leiter des Museums Katharinenhof. Mir war wichtig zu zeigen, dass Kunst keine Distanz braucht, um ernst genommen zu werden.
Sie braucht Offenheit, Neugier und Vertrauen in den Dialog zwischen Werk und Betrachter.
Später kuratierte ich internationale Projekte, „Munich School?“ in China, Installationen im Goethe-Institut in Paris und Ausstellungen in den Niederlanden.
Überall blieb mein Ansatz derselbe: Raum und Farbe handeln zu lassen, nicht sie zu begleiten.
Den Raum als Instrument zu begreifen, nicht als Kulisse.
Farbe war für mich nie Dekoration. Sie war immer der Anfang. Oft auch die ganze Idee.
Ich interessiere mich nicht für das Unsichtbare, sondern für das, was da ist. Für Präsenz. Für Erscheinung. Ich habe mich früh gegen das Grau entschieden, das sich für Intelligenz hält, und gegen das Beige, das unauffällig sein will, aber überall ist. Mich interessieren Farben, die nicht nachgeben. Die sich gegenseitig herausfordern, ohne zu schreien.
