Über mich

Als Niederrheiner, geboren im Beuys-Land, gilt für mich: Ich mache, also bin ich. Gestalten heißt für mich Ordnen, um Dinge in Beziehung zu setzen, so dass sie selbstverständlich und logisch sind, sich selbst erklären. Gestalten ist Teil meines Lebens, es beginnt mit der Zubereitung des Frühstücks. Handarbeit und Kopfarbeit gehören zusammen. Stets waren Künstler für mich als Impuls wichtig, Künstler haben mich gelehrt, dass der Prozess essentiell ist.

Inspiration

Ausgebildet als Tischler waren es persönliche Begegnungen und intensive Auseinandersetzung mit Künstlern, vor allem Jerry Zeniuk, Adrian Schiess, Norbert Prangenberg, die Düsseldorfer Akademie und das Erbe Joseph Beuys’, die mich geprägt haben. Über das Studium ihrer und anderer Werke, das Kuratieren, Ausstellen und Publizieren von Kunst führte mein Weg zwangsläufig zum eigenen Gestalten von Möbelobjekten.

Zwischen Nebel und Licht

Ich bin am Niederrhein geboren, in einer Landschaft, die oft im Nebel liegt, wo der Horizont sich auflöst und das Licht sich nie ganz festlegt. Vielleicht hat dort mein Sinn für Farbe begonnen, in den stillen Übergängen, in den Grautönen, die nie einfach grau sind, in der Art, wie Feuchtigkeit und Ferne ineinander übergehen und alles in Schwingung versetzen.
Wo andere Wolken sehen, sehe ich Schichten, Töne, Atmosphären. In dieser Welt war Farbe nie fest. Sie war Bewegung. Übergang. Eine Art Atem. Vielleicht habe ich dort gelernt, dass Wahrnehmung kein Wissen ist, sondern eine Haltung. Man muss warten können, bis sich ein Distelfink oder ein Eisvogel zeigt und dann erkennen, dass auch das Flüchtige eine Form von Klarheit hat.

Das ist wohl meine eigentliche Schule, die des Nebels und der Vögel, in der man Geduld lernt und darauf, Klarheit zwischen Himmel und Erde zu erwarten.

Ich habe eine Ausbildung als Tischler gemacht. Die Arbeit mit Holz, mit Oberflächen und Strukturen, hat mich gelehrt, mit den Händen zu denken. Holz, Metall, Aluminium. Materialien reagieren auf Berührung, sie verändern sich im Licht. Die Werkstatt hat mir beigebracht, dass man nicht alles planen kann, sondern manches entstehen lassen muss. Dass jede Oberfläche ihre eigene Art hat, Licht aufzunehmen oder zurückzugeben. Dass Materie Erinnerung trägt.

Später begann ich, Ausstellungen zu kuratieren, zunächst aus Neugier, dann aus Überzeugung.
Ich wollte Räume denken, nicht einfach füllen.
Ich wollte Situationen schaffen, in denen Farbe frei existieren kann, nicht als Beiwerk, sondern als handelnde Präsenz.

In Kranenburg, nahe der niederländischen Grenze, eine Galerie. Eine Grenze, die für mich immer mehr Gedanke als Linie war. Dort begann ich, Farbe als Sprache zu verstehen, als Möglichkeit des Dialogs.

Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern wie Kirsten Lampert, Teresa Reyes Lorca, Viviane Klagsbrun, Jerry Zeniuk, Norbert Prangenberg, Paul Schwer, Adrian Schiess, Martin Noël, Horst Keining, Stefan Gritsch, Stefan Fritsch, Richard Schur, Ulrich Erben, Matthias Köster, Ronald Noorman u.A.
Ich habe diese Ausstellungen nie als Ansammlungen von Namen verstanden, sondern als Gespräche, zwischen Bildern und Wänden, zwischen Oberflächen und Licht, zwischen Werk und Blick.

Mehrere Jahre lang war ich ehrenamtlich Leiter des Museums Katharinenhof. Mir war wichtig zu zeigen, dass Kunst keine Distanz braucht, um ernst genommen zu werden.
Sie braucht Offenheit, Neugier und Vertrauen in den Dialog zwischen Werk und Betrachter.

Später kuratierte ich internationale Projekte, „Munich School?“ in China, Installationen im Goethe-Institut in Paris und Ausstellungen in den Niederlanden.
Überall blieb mein Ansatz derselbe: Raum und Farbe handeln zu lassen, nicht sie zu begleiten.
Den Raum als Instrument zu begreifen, nicht als Kulisse.

Farbe war für mich nie Dekoration. Sie war immer der Anfang. Oft auch die ganze Idee.

Ich interessiere mich nicht für das Unsichtbare, sondern für das, was da ist. Für Präsenz. Für Erscheinung. Ich habe mich früh gegen das Grau entschieden, das sich für Intelligenz hält, und gegen das Beige, das unauffällig sein will, aber überall ist. Mich interessieren Farben, die nicht nachgeben. Die sich gegenseitig herausfordern, ohne zu schreien.

Das Licht des Südens

Heute verbringe ich einen großen Teil des Jahres auf Mallorca und immer einige Tage in Süditalien.

Das Licht dort ist anders als alles, was ich zuvor kannte, grell, golden, manchmal fast überbelichtet.
Es verändert alles: Materialien, Farben, selbst die Menschen.
Unter dieser Sonne verschwindet Zurückhaltung.
Alles wird direkter, lebendiger, kompromissloser.

Dieses Licht hat mich geprägt.
Ich wollte diese Intensität, diese Klarheit, diese Ehrlichkeit.
Mit diesem Licht zu arbeiten ist wie eine ständige Prüfung, jede Oberfläche, jedes
Pigment, jede Reflexion zeigt ihr wahres Wesen.
Zwischen den gedämpften Tönen des Niederrheins und der grellen Helligkeit Mallorcas liegt die Spannung, in der meine Arbeit entsteht: Möbel, die atmen, Räume, die reagieren, Flächen, die reden.
Mich interessiert das Unmittelbare, die Wirkung, die Direktheit, die emotionale Kraft von Farbe.

Ich sehe mich als Handwerker im Denken. Kunst erklärt nichts, sie zeigt. Sie öffnet einen Raum, in dem Wahrnehmung sich selbst begegnet. Ich versuche, leise zu sprechen und die Farben lauter reden zu lassen. Farbe ist eine Haltung. Sie trägt Verantwortung, für die Stimmung, für die Bedeutung, für die Art, wie wir Welt erfahren. Mit Farbe zu arbeiten heißt, Stellung zu beziehen: zum Licht, zum Material, zum Sehen selbst.

Ich habe immer Künstlerinnen und Künstler bewundert, die der Farbe vertraut haben:
Pontormo, Delaunay, Warhol, Judd, Kelly. Ihre Arbeiten zeigen, dass Farbe nicht zweitrangig ist, sondern eine Form von Denken. Auch in Architektur und Design gab es Vorbilder, die mir Mut gemacht haben: Le Corbusier, Barragán, Sottsass, die Memphis-
Gruppe. Sie alle haben gezeigt, dass Farbe Ordnung ordnen und stören darf. Dass sie Freude Widerstand und Freiheit sein kann.

Zwischen Nebel und Sonne, zwischen Holz und Metall, zwischen Denken und Tun, dort bewege ich mich. Ich versuche, Räume zu schaffen, in denen Farbe handeln darf. In denen sie nicht erklärt werden muss. In denen sie einfach da ist.